Punktgenau

Grüß Gott!

Deutschland. Ein Sommermärchen

Wer wahrer Freund des WM-Fiebers geblieben ist, sollte mittlerweile ins Kino gelaufen sein, um Sönke Wortmanns wortkargen Kommentar zu Aufstieg und (kurzem) Fall der Deutschen Nationalhelden zu sehen. Und das, obwohl er schon in knapp drei Monaten gratis im Fernsehen läuft.

Andererseits: natürlich gilt auch hier wieder der Bonuseffekt des Public Viewing. Einen Film über die WM alleine im Fernsehen zu gucken ist so unspektakulär, als hätte man Deutschlands tragisches Ausscheiden selbst alleine in der Flimmerkiste betrachtet. In der Gruppe lässt es sich einfach besser freuen, besser leiden, besser hoffen, und besser trauern. Dereinst bei den Spielen, und heute, wenn einem all die kleinen Momente, die es damals nicht zu sehen gab, noch einmal vorgeführt werden.

Fussball ist Gruppe. Ob Spiel oder Dokumentation.
Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass sich Wortmanns größter Kommentar zur WM ganz klein im Titel versteckt:

Deutschland.

Wo die Werbeagentur Jung von Matt mit "Du bist Deutschland" noch einen ganzen Slogan brauchte, bringt Wortmann es mit jenem kleinen Punkt hinter dem Names unseres Landes auf eben diesen.
Friedliche Koexistenz über jeden Maschendrahtzaun hinweg gab es diesen Sommer nur und vor allem dank des Fussballs. Nie zuvor, und wer weiß wann danach, gab es ein solches Nationalgefühl, eine solche Gruppenleistung wie die Liebe unseres Landes zu seinen Fussballspielern.
Das fällt auf. Zumindest in einem Land, das sich sonst vor Gruppengefühl und Nationalstolz zu verstecken sucht, als wären solche Gefühle steuerpflichtig.

So ist denn auch klar, was uns Sönke Wortmann mit seinem Titel sagen will:

Deutschland. Ein Sommermärchen

Das Märchen ist nicht das Turnier, das uns die Titanic mit einer Handvoll Kuckucksuhren hätte erkaufen können, oder die Spiele, denn trotz aller Freude: Wir haben schon besser abgeschnitten.

Nein, das Märchen ist: Deutschland.
Ein Land, das zu Subjekt, Prädikat und Objekt gleichermaßen geworden ist, das für sich selbst stehen kann.

Deutschland. Ein Land, das selbst eine Aussage geworden ist, dem man nichts mehr hinzufügen muss; Keine Entschuldigungen, keine Erklärungen, keine Anleitungen.

Deutschland. Ein Land, hinter das man einen Punkt setzen kann. Mit dem alles gesagt ist.

Leider schafft das nur der Fussball. Ob nun als Spiel, oder als Dokumentation.
So gesehen ist es beinahe schade, dass der Film nur die Spieler zeigt, und nicht das, was er im Titel verspricht: Deutschland.

Aber wie die Werbeagentur Jung von Matt uns sagt: Um das zu sehen, reicht uns ein Spiegel.

10.10.06 12:15

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