Fußballdeutsch

Grüß Gott!

Zwei der liebsten Steckenpferde des Deutschen sind der Fußball und die Klugscheißerei. Und die größte Last der Deutschen ist vermutlich die eigene Grammatik.
Spaßig wird’s, wenn all das zusammentrifft.

So wie gestern Abend, als Frankreich gegen Südkorea spielte, und der Kommentator in der zweiten Spielhälfte etwa folgenden Satz brachte, der sich klanglich ganz ohne Interpunktion vernahm: „Und die französische Mannschaft laufstärker und aktiver wie vom Trainer gefordert.“

Dieser Satz löste wiederum eine besserwisserische Reaktion von Sonja hervor: „Woher will der Kommentator denn wissen, wie viel der Trainer gefordert hat.“

Nicht minder besserwisserisch konterte Stefan: „Na, das ist doch klar, so lahm wie die in der ersten Hälfte gelatscht sind.“

Sonja fühlte sich aber weiterhin im Recht: „Ja, aber der wird wohl kaum wissen, wie viel Laufstärke genau der Trainer haben wollte.“ Dazu setzte sie ihr Gesicht auf, das sie aufzusetzen pflegt, wenn sie eine Diskussion gewonnen zu haben glaubt.

„Na und?“ fragte Stefan. „Ist doch wurscht, wie viel der Trainer haben wollte. Hauptsache sie laufen schneller.“

Sonja wurde stur: „Dann darf der Kommentator aber nicht behaupten, sie wären laufstärker wie der Trainer gefordert hat.“

Und da lichtete sich der Nebel in der Gruppe (die gänzlich genervt war von dieser doch recht unsinnigen Diskussion) und schallendes Gelächter ergoß sich über die arme Sonja. Wie gesagt, der Deutsche an sich ist ein Klugscheißer. Und nachdem Sonja noch vor einigen Wochen locker meinte, es gäbe keinen Unterschied, ob man ‚wie’ oder ‚als’ sage, hatte sie sich den Spott hart erarbeitet.

Stefan durfte jedenfalls seinen Sieg einfahren: „Nun, der Kommentator spricht halt vernünftiges Deutsch. Deshalb hat er auch nicht gesagt, sie wären laufstärker ‚als’ vom Trainer gefordert, sondern er hat gesagt, laufstärker ‚wie’ gefordert. Genau wie es der Trainer gefordert hat, sind sie laufstärker. Man sagt 'als', wenn es einen Unterschied gibt, und man sagt 'wie', wenn es keinen Unterschied gibt. In diesem Falle gibt es keinen Unterschied.“

Mit zerknirschtem Gesicht murmelte Sonja etwas vor sich hin und schwieg den Rest der Partie. Es bleibt zu hoffen, dass auch sie endlich erkannt hat, dass es eben DOCH ein Unterschied ist, ob jemand sorgfältiger ist ‚als’ sie, und nicht so unsauber ‚wie’ sie. Auf jeden Fall hoffe ich, dass sie das nächste Mal nachdenkt, was für ein ‚wie’ im Deutschen Fußball wie benutzt wird.

Und da sag nochmal jemand, man könne beim Fußball nichts lernen. Selbst wenn es nur Deutsch ist.

19.6.06 16:17

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