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Outsourcokratie

Grüß Gott!

Zack, an einem Kneipenabend mit BWL Studenten einfach mal den Weltfrieden erfunden. Zwischen einem Hefeweizen und einem Mai Tai. Wer hätte das gedacht?

Fest steht doch: Alles Gute kommt von woanders. Die Möbel aus Schweden, die Kleidung aus Taiwan, die Vorbilder aus Amerika und die natürlichen Aromen aus der Retorte. Nur die Politiker, die holt jedes Land noch aus den eigenen Reihen. Kein Wunder, dass das nicht funktioniert.

Im Ernst: Politiker sind voreingenommen. Man zuckt schnell vor einer Reform zurück, wenn die eigene Tante in Gummersbach sich danach keinen Aufschnitt mehr leisten kann, oder die eigenen Enkel in einer Integrationsklasse landen könnten.

Die Lösung des Problems heißt „Outsourcokratie“!
Ab sofort sind nicht mehr die eigenen Politiker zuständig für das Wohlergehen ihres Volkes, sondern die gewählten Vertreter des Staates, der geographisch am weitesten entfernt liegt.
Die Vorteile liegen auf der Hand: Jeder Stammtisch weiß, wie einfach der Nahost-Konflikt gelöst werden kann, jeder Politikstudent könnte mit einem Schnippen das Afrikanistische Großfürstensystem zersprengen. Allein die Leute vor Ort schaffen es nicht.

Technisch liefe das ganz simpel. Wir Deutschen würden wöchentliche Berichte, Zeitungen und Umfragen an unsere Regenten auf Neu Seeland schicken, die würden anhand der nackten Daten genau wissen, was zu tun ist, und keine Sekunde zögern, das auch umzusetzen.

Ein weiterer „Benefit“ wäre: Fremde Kulturkreise bringen frischen Wind, frische Ansichten in die Sache. Möglicherweise schaffen es die Inuit tatsächlich, innerhalb eines Jahres Frieden an den Jordan zu bringen. Die Südafrikaner werden schon verhindern, dass Amerika sich einmischt.

Liebe Politiker: Denkt mal drüber nach.
Es lebe die Revolution!
Es lebe die Outsourcokratie!
Weltfrieden für alle!

Ich bestell jetzt noch ein Hefeweizen.

1 Kommentar 1.1.07 19:24, kommentieren

You Can Moderate!

Grüß Gott!

Das Deutsche Fernsehen ist doch noch für Überraschungen gut. Und diesmal überraschenderweise eine positive: Ein Moderator, der seinen Job berherrscht. In einer Castingshow! Grund genug, die Dame einmal vorzustellen.

Aber erstmal: Ein Ratespiel gefällig?
Also: Welche Person suchen wir?

Ein Deutscher Privatsender entscheidet, eine Castingshow zu veranstalten, und sucht für die Präsentation ein unverbrauchtes Gesicht. Das findet er in einer jungen Schweizerin, die schon einige Erfahrung als Fernsehmoderatorin hat, und nur zu gerne das Mikro in die Hand nimmt.
Das Ergebnis ist ziemlich erbärmlich, und jedes Showelement wird von quietschenden "Anrufen, Anrufen!" Mantras ertränkt.

Okay, ich lös es auf: Michelle Hunziker.
Sehr einfach.

Noch ein Ratespiel?
Also: Welche Person suchen wir?

Ein Deutscher Privatsender entscheidet, eine Castingshow zu veranstalten, und sucht für die Präsentation ein unverbrauchtes Gesicht. Das findet er in einer jungen Schweizerin, die schon einige Erfahrung als Fernsehmoderatorin hat, und nur zu gerne das Mikro in die Hand nimmt.
Das Ergebnis ist eine interessante, von klugen Kommentaren und durchdachten Scherzen durchzogene Präsentation.

Na? Irgendwer? Richtig: Anna Maier!
Kennt keine Sau. Leider! Und genau das sollte sich ändern.

Castingshows gehen manchmal seltsame Wege. Die größten Stars, die DSDS, the Show formerly known as "Deutschland sucht der Superstar", hervorbringen konnte, waren Michelle Hunziker und Daniel Küblböck, zwei omnipräsente Dauerkreischer, die das Medienpendant zu Fingernägeln auf Schiefertafel darstellen.
Da wird die Talentsuche doch von hinten aufgezäumt.

Um so erfreulicher ist es, dass Anna Maier, Moderatorin der Sat.1 Show "You can Dance" zur Ehrenrettung der Castingmoderatoren eilt. Leider sieht es kaum jemand. Die Show ist, zu unrecht, ein Quotenröchler. Für Anna Maier keine Fan-Clubs, keine Werbeverträge. Hunziker durfte nach ihrer Sangesshow wenigstens singen, Frau Maier bietet niemand an, ihr Tanzbein in die Kamera zu halten.

Aber glücklicherweise läuft die Sendung auch noch. Also: Einschalten. Egal, wer den Tanzwettbewerb am Ende gewinnt: Die größte Entdeckung bleibt Anna Maier. Und zu hoffen, dass sie trotz magerer Quoten weitere Sendungen machen darf.

Übrigens wurde seit Olli Pocher kein Moderator mehr aus einem Fernsehcasting gezogen. Da wäre es doch Zeit für eine Wiederholung.

Ich würde sogar "Anrufen, Anrufen!"

9.1.07 16:16, kommentieren

Generation Sitcom

Grüß Gott!

Das wohl undefinierteste Wort des modernen Deutsch ist "Generation". Mal ehrlich, was IST denn eine Generation?
Sicher, noch bis zur "Großvatergeneration" war klar, dass eine Generation Kinder gebärt, welche die nächste Generation stellen. Knapp 30 Jahre also.
Dieses seit Generationen bewährte Prinzip wurde von Medien und Soziologen mittlerweile derart aufgeweicht, dass das Wort "Generation" jegliche Bedeutung verloren hat.

Mit unseren nun ebenfalls knapp dreißig Jahren schauen ich und meine Altersgenossen auf eine stolze Generationsgeschichte zurück. Würde man uns für jede Generationszugehörigkeit einen Orden an die Brust heften, wären wir die "Generation Hexenschuß".

Zählten wir zuerst noch knapp zur "Generation X", oder der "Lost Generation", bekamen wir später als "Generation Golf" einen etwas deutscheren Namen, was uns zugleich von der "Elterngeneration" löste, ohne uns aber zur "Kindergeneration" zur machen. Die Damen rutschten schnell in die "Generation Ally". Heutzutage zählt man uns frech zur "Generation Praktikum", etwas anders auch "Generation Prekär" genannt. Dabei waren wir mal die "Spaßgeneration", auf Neudeutsch "Fungeneration", auf jeden Fall sind wir die "Single-Generation", waren mal die "Fast-Food-Generation", werden aber langsam zur "Kochgeneration". Knapp vorbeigeschrammt sind wir an der "68er Generation", gehören aber zur "MTV-Generation", und der "Generation Internet". Nicht zu vergessen, dass wir immer noch Teil der "Nachkriegsgeneration" sind, und das schon so lange, das wir eigentlich eine "Friedensgeneration" sind.

Mittlerweile wird nicht mehr über Generationen gegriffen, sondern getrippelt. Gemeinsame Grundlagen, oder gemeinsame Erlebnisse lösen im Jahrestakt ab, welcher "Generation" wir noch angehören.

Dabei wäre alles viel freundlicher, würde man einfach festlegen, über welche Sitcom man an seinem 18. Geburtstag am meisten gelacht hat. Das hätte wenigstens eine chronologische Ordnung. Von der "Generation Mork vom Ork" zur "Generation Alf", dicht abgelöst von der "Bill Cosby Generation", zur "Generation Roseanne" und "Generation Tony Danza", schließlich "Prince von Bel Air Generation", "Al Bundy Generation", "Generation Tool Time" und "Generation Friends". Enden würde es klassisch in der "Carrie Bradshaw Generation", der "Generation Scrubs" und schlussendlich der "Doug Heffernan Generation".
Das würde vermutlich mehr über die Person aussagen, als jede Generationen-Kreation des Spiegels.

Es wäre zwar genau so unübersichtlich, aber um einiges Unterhaltsamer!

17.1.07 15:46, kommentieren

Ismenismus

Grüß Gott!

Historiker und Politologen haben es nicht leicht. Schon gar nicht als Studenten, wenn einem die volle Härte der Fachterminolgie erstmalistisch ins Gesicht schlägt. Da kommt man leicht ins Taumeln.

Dass "Islamisch" friedfertiger ist als "Islamistisch", gehört mittlerweile zur Allgemeinbildung. Das Fettnäpfchen ist schließlich tief.

Aber der Ismen gibt es eine Menge im politischen Alltagsgebrauch. Debütantismus, Extremismus, Liberalismus, Sozialismus, Kommunismus, Marxismus, Leninismus, Bolschewsimus und noch viele mehr. Schon Ferris Bueller hielt Ismen für keine gute Sache.

Nun stehen Studenten der Geschichte natürlich unter dem Druck, professionell und gebildet klingen zu wollen, wobei das Jonglieren mit Ismen schnell Ähnlichkeit mit einer Flohdressur bekommt. Denn gerade wenn ein Kommilitone besonders doktorantisch klingen will, schleichen sich schnell Ismen ein, die es gar nicht gibt.

"Historistisch gesehe war das keine neue Idee", hieß es kürzlich ein einem Seminar.
Später erinnerte Jemand daran, dass einem Aufsatz aus der Weimarer Republik "die biologistische Komponente fehle."
Daran, dass "Neonazistische Tendenzen sich in Ostdeutschland volkistisch verbreiten", erinnert uns regelmäßig die BILD.
Und natürlich darf man auch nicht vergessen, dass "das Mittelalter theologistisch sehr festgefahren war."

Krönender Abschluss war ein fantastistischer Fall, in dem es hieß: "Der Faschismus sei globalistisch indiziös für neomperialistische Bestrebungen, was die amerikanistische Irakpolitik faschistisch mache."

Ich würde mir zwar wünschen, dass man auch bei ismenistischer Freak-Sprache weiterhin den Kopf gebraucht, aber bis dahin finde ich das einfach unterhaltsamistisch!

24.1.07 17:29, kommentieren