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Der Anti-Blob

Grüß Gott!

Wer mich kennt weiß: Ich mag keine Blogs. Für mich der beste Grund einen zu eröffnen.
Warum?

Nun, was ist denn ein 'Blog'?

Zuerst einmal ein ganz furchtbares Wort das immer an einen ganz furchtbaren Film mit Steve McQueen erinnert: "Der Blob".
Der Film ist deshalb so schrecklich, weil er von einem gemeinen, rosafarbenem Schleimkügelchen aus dem Weltall erzählt, das auf der Erde landet und anfängt Menschen zu fressen. Und je mehr Menschen der Blob frisst, desto größer wird er, desto mehr Menschen frisst er und der Blob wächst und wächst und am Ende besteht die Gefahr, das der Blob einfach die Erde überollt und alle, alle auffrisst.

Ganz ähnlich also wie ein Blog. Je mehr Menschen einen Blog lesen, desto größer wird der Blog, desto mehr Menschen lesen ihn und am Ende: Ist die Welt ein einziger Blog.
Diese Gefahr erscheint mir allerdings relativ klein, weil die meisten Blogs von kaum jemandem gelesen werden. So wie dieser.

Damit das hier aber doch wenigstens IRGENDWER liest, muss natürlich irgendwas interessantes drin stehen. Zum Beispiel, wie ein Blog das für gewöhnlich tut: Interessantes über mich. Oder mein Leben. Oder das Leben um mich herum.
Nun ist mein Leben aber ebenso unspannend wie das Remake, das irgendwann mal von dem Film 'Der Blob' gemacht worden ist, und in dem es nur noch darum ging, den Schauspielern möglichst ekelig und schleimig das Fleisch von den Knochen zu lösen. Und sowas will doch keiner sehen.

Wenn also das Gute, Interessante, das MIR passiert nichts hergibt, muss ich von den schlechten, langweiligen Dingen erzählen, die ANDEREN passieren.

Ein solcher Blog ist auch gleich viel weniger gefährlich als ein Blob: Denn wen interessiert schon das Elend anderer, wenn er selbst so viel davon hat? Also wird der Blog nicht wachsen und niemanden fressen, all die schlechten, langweiligen Dinge sind hier besser aufgehoben als irgendwo, wo sie jeder hören kann.

Sie sind hier, besser als irgendwo, auf Eis gelegt. Ebenfalls wie der Blob, der nämlich bei Kälte erstarrt und am Ende des Films deshalb über der Antarktis abgeworfen wird. Und weil die Menschen so lieb sind, werfen sie ihn nicht einfach so aus dem Flugzeug, damit er auf dem ewigen Eis in tausend Stücke springt, sondern in einer großen Holzkiste und mit Fallschirm.
Die Menschen lieben ihre Blobs halt doch irgendwie.

Ende?

2 Kommentare 2.6.06 14:04, kommentieren

Welt zu Gast in Hamburg I

Grüß Gott!

Es ist soweit: Der Fussball-Wahnsinn ist höchst offiziell und unter Polizeischutz gelandet. Letzten Freitag war die Hölle los, jedenfalls in der Hamburger Innenstadt.

Gesperrte Straßen, umgeleitete Passantenströme, Herrschaaren von Polizisten in blauer Uniform, von denen nicht weniger als Vierzig Stück eine einzige Straßenecke belagerten.
Insgesamt waren vermutlich mehr Polizisten als Fußgänger in der Mönckebergstraße unterwegs, und wer das Pech hatte, gerade an diesem Nachmittag gemütlich bummeln gehen zu wollen, musste sich damit abfinden, Umwege von knapp zehn Minuten in Kauf zu nehmen, bevor er einen freien Eingang zum Kaufhof fand.

Grund für dieses Aufgebot war weder der Papst, noch ein Staatsbesuch oder etwa ein Wiedervereinigungskonzert der Beatles, sondern die Ankunft der amerikanischen Fußballnationalmannschaft im Hyatt Hotel im Herzen der Stadt.

Die Frage, weshalb die Amerikaner ausgerechnet in der Stadt untergebracht worden sind, deren größter Exportschlager nach einschlägiger Amerikanischer Meinung Top-Terroristen von der Technischen Universität Harburg ist, sei ebenso dahingestellt, wie die Frage, welchen Nutzen ein Anschlag auf ein Fußballteam hätte. Die Amerikaner haben Angst und das sei ihnen gegönnt.

Dass sich der wahre Terror und der niederträchtige Anschlag auf Amerikas Seele an diesem Tag aber ausgerechnet bei McDonald’s abspielte, das ist von ganz anderem Interesse.
Da die Straße hin zu meinem Lieblingsasiaten von einer Polizeimacht gesperrt worden war, die jeden Castor-Protestler beeindruckt hätte, wich ich für meine Mittagspause zu den goldenen Bögen amerikanischer Freiheit aus. Jenem Zentrum des Fast Food, dessen Preisgestaltung, jedenfalls in den Staaten, für das leibliche Rundumwohl jeden Durchschnittsburgers sorgt.

Vor mir stand eine Gruppe von sieben Amerikanern, denen im Vorfelde niemand mitgeteilt hatte, dass der Preisunterschied zwischen einem amerikanischen McDonald’s und dem McDonald’s einer Deutschen Innenstadt vermutlich 3000 Prozent beträgt und die dementsprechend fröhlich ein halbes Dutzend Menüs, etliche Colas, Shakes, und Pommes bestellte, dazu ein paar Extra Chicken McNuggets und Cheeseburger und Big Mäc und am Ende kam die stattliche Summe von 92,60 Euro heraus. Die Männer wären vermutlich günstiger weggekommen, wenn sie für ihren Snack kurz nach Hause geflogen wären.

Es entstand eine Riesendiskussion, die vornehmlich darauf hinauslief, dass die Männer nicht einsahen, für ihr Essen mehr Geld zu bezahlen als für ein Auto, und die Frau an der Kasse, die ohnehin Sprachprobleme hatte, wollte nicht einsehen, wieso sie ihr Essen günstiger verkaufen sollte. Man pöbelte, erklärte, fluchte und zankte, und schließlich gaben die Amerikaner klein bei und stornierten über die Hälfte ihrer Bestellung.

Draußen erklangen mittlerweile Trillerpfeifen, vermutlich von Globalisierungsgegnern, ein Protest, der im Zuge einer Fußball-Weltmeisterschaft einen seltsamen Unterton gewinnt.
Ich genoss meine große Portion Pommes und meinen Cheeseburger zum mitnehmen und ging ins Büro zurück – natürlich mit einem Umweg von zwanzig Minuten, denn der kürzeste Weg war von einem Panzerwagen der Polizei gesperrt worden.

Und während ich den salzigen Geschmack der Freiheit und Demokratie genoss, und eine Handvoll Sportler von einer Armee beschützt wurde und sieben Amerikaner den Anschlag auf das amerikanische Wirtschaftssystem verfluchten, ausgerechnet dort, wo die Welt noch nach zu Hause schmeckt, wurde mir bewusst: Terror ist vielfältig.

Lasst die Spiele beginnen.

6.6.06 12:51, kommentieren

Vodafone verbindet nicht...

Grüß Gott!

Das Zauberwort dieser WM ist 'Public Viewing'. Bis zu 60.000 Menschen treffen sich öffentlich um den Kickern zuzuschauen und gemeinschaftlich den Alkoholpegel hochzutreiben.

Dass das früher noch nicht so verbreitet war, lag an organisatorischen Problemen: Um sich in einer solch großen Gruppe zu finden, mussten lange im Voraus präzise Treffpunkte vereinbart werden. Dummerweise trafen sich 70.000 Leute an genau dem gleichen präzisen Treffpunkt, also blieb man besser gleich auf der Couch.

Solche Probleme kennt die Handy-Generation nicht mehr. Schnell eine SMS geschickt: "Wo seid ihr?" und zwanzig Minuten gewartet auf: "FIFA Fanfest(tm) hinten links am Stand."
Da wird das Treffen mit den Freunden in jeder Menschenmasse zum Kinderspiel.

Außer - ja, außer man ist Vodafone-Kunde.

Auch wenn es nicht schön ist, kann es doch im Rausch der WM mit dem Trikotkauf, dem Bierkauf, den Tickets und den Fähnchen schnell mal passieren, dass das Konto leer ist.

So wie es einem Freund geschehen ist, der am Freitag Mittag eine SMS von Vodafone erhielt: der Einzug von 30 Euro Telefonrechnung habe nicht funktioniert. Ehrlich wie der Mann ist überwies er das Geld flugs von einem anderen Konto und vergaß die Sache.

Bis er sich am Samstag mit seinen Freunden auf dem FIFA-FanFest(tm) treffen wollte. Eine Ansammlung von 80.000 Menschen, unter denen man die eigene Mutter nicht gefunden hätte.

Sein Handy aber weigerte sich, sowohl eine SMS weiterzuleiten als auch einen Anruf durchzustellen.

Panisch und einsam zwischen 90.000 Menschen lieh er sich zwar ein Handy, doch weder sein Anruf noch seine SMS wurden beantwortet.

Dafür hat Vodafone eine spielerische Sechs verdient. Mannschaftsspieler ist er jedenfalls nicht: Wer seine Kunden über Zahlungssäumigkeit informiert, sollte ihnen auch die Zeit geben, das Geld zu bezahlen und nicht nach 20 Stunden, noch dazu an einem WM-Wochenende(!!), das Handy sperren.

Der Mann im Kundenzentrum riet übrigens: Nächstes Mal bar bezahlen! Nun muss mein Freund warten bis die Überweisung angekommen ist. Mit Wochenende etwa fünf Kalendertage. Wenn er Glück hat, kann er das Deutschlandspiel wieder mit seinen Freunden schauen. Solange Vodafone ihn lässt. Bis dahin feiert er halt alleine - unter 100.000 anderen Fans.

Mittlerweile wurde übrigens auch geklärt, weshalb sein Anruf vom Leihhandy unbeantwortet blieb: Bei einer unbekannten Nummer geht man doch nicht ans Handy. Schon gar nicht bei einem WM-Spiel!

Ich sage: Blutgrätsche für Vodafone!

13.6.06 11:00, kommentieren

Fußballdeutsch

Grüß Gott!

Zwei der liebsten Steckenpferde des Deutschen sind der Fußball und die Klugscheißerei. Und die größte Last der Deutschen ist vermutlich die eigene Grammatik.
Spaßig wird’s, wenn all das zusammentrifft.

So wie gestern Abend, als Frankreich gegen Südkorea spielte, und der Kommentator in der zweiten Spielhälfte etwa folgenden Satz brachte, der sich klanglich ganz ohne Interpunktion vernahm: „Und die französische Mannschaft laufstärker und aktiver wie vom Trainer gefordert.“

Dieser Satz löste wiederum eine besserwisserische Reaktion von Sonja hervor: „Woher will der Kommentator denn wissen, wie viel der Trainer gefordert hat.“

Nicht minder besserwisserisch konterte Stefan: „Na, das ist doch klar, so lahm wie die in der ersten Hälfte gelatscht sind.“

Sonja fühlte sich aber weiterhin im Recht: „Ja, aber der wird wohl kaum wissen, wie viel Laufstärke genau der Trainer haben wollte.“ Dazu setzte sie ihr Gesicht auf, das sie aufzusetzen pflegt, wenn sie eine Diskussion gewonnen zu haben glaubt.

„Na und?“ fragte Stefan. „Ist doch wurscht, wie viel der Trainer haben wollte. Hauptsache sie laufen schneller.“

Sonja wurde stur: „Dann darf der Kommentator aber nicht behaupten, sie wären laufstärker wie der Trainer gefordert hat.“

Und da lichtete sich der Nebel in der Gruppe (die gänzlich genervt war von dieser doch recht unsinnigen Diskussion) und schallendes Gelächter ergoß sich über die arme Sonja. Wie gesagt, der Deutsche an sich ist ein Klugscheißer. Und nachdem Sonja noch vor einigen Wochen locker meinte, es gäbe keinen Unterschied, ob man ‚wie’ oder ‚als’ sage, hatte sie sich den Spott hart erarbeitet.

Stefan durfte jedenfalls seinen Sieg einfahren: „Nun, der Kommentator spricht halt vernünftiges Deutsch. Deshalb hat er auch nicht gesagt, sie wären laufstärker ‚als’ vom Trainer gefordert, sondern er hat gesagt, laufstärker ‚wie’ gefordert. Genau wie es der Trainer gefordert hat, sind sie laufstärker. Man sagt 'als', wenn es einen Unterschied gibt, und man sagt 'wie', wenn es keinen Unterschied gibt. In diesem Falle gibt es keinen Unterschied.“

Mit zerknirschtem Gesicht murmelte Sonja etwas vor sich hin und schwieg den Rest der Partie. Es bleibt zu hoffen, dass auch sie endlich erkannt hat, dass es eben DOCH ein Unterschied ist, ob jemand sorgfältiger ist ‚als’ sie, und nicht so unsauber ‚wie’ sie. Auf jeden Fall hoffe ich, dass sie das nächste Mal nachdenkt, was für ein ‚wie’ im Deutschen Fußball wie benutzt wird.

Und da sag nochmal jemand, man könne beim Fußball nichts lernen. Selbst wenn es nur Deutsch ist.

19.6.06 16:17, kommentieren

te... no... leva... Dinsgda

Grüß Gott!

Eigentlich ist es zum schießen. Da versuchen die deutschen Fernsehsender seit zwanzig Jahren, ihr Publikum systematisch zu verdummen und in den Analphabetismus zu treiben, und wenn sie endlich erfolgreich sind, setzen sie ein so kompliziertes Wort wie „Telenovela“ in die Medienwelt.

Wer ein bisschen nachdenkt, weiß, dass ‚Novela’, wie in 'Novel', oder 'Novelle', spanisch für Roman ist, und Tele sich aufs Fernsehen bezieht. Eine Telenovela ist also ein Fernsehroman.

Was beim televerdummten Publikum mit dem recht einfachen Ausdruck ‚Soap’ noch funktionierte, treibt bei ‚Telenovela’ die seltsamsten Blüten. Eine wahre Freude ist es, das Internet nach falschen Schreibweisen zu durchforsten.

Da gibt es beispielsweise die neue „Tenelovena“, was klingt wie ein Lied von Shakira.
Und ein junges Mädchen hofft, dass ihre Lieblings-„Tenelova“ Lotta in Love nicht abgesetzt wird. Klar, der Name verspricht viele Teenlover.
Bloxer.de meldet, dass jetzt auch RTL eine „Televonela“ starten will, was natürlich ein Tippfehler sein könnte.
Und nicht zu vergessen der Erfolg der „Telenova“ Verliebt in Berlin. Klar, in so einer Nova geht’s heiß her.
Sehr entspannend kann so ein „Teenovela“ sein, am liebsten mit Hagebuttentee vor dem Kamin.
Ein Simpsonsfan beklagt den Verlust seiner Lieblingsserie an die neue „Telenoeva“ auf Pro7. Tja, wenn Eva keinen Fernseher hat, gibt’s keine Simpsons.
Meist auf Spanisch findet man noch eine „Telenoleva“ – muss eine Unterart oder ein klassisch lateinamerikanischer Tippfehler sein.
Weitere Ausrutscher finden sich mit „Telenovala“, „Tenenovela“, „Telenovena“ und „Telenovale“. Die Liste ist schier unendlich.

Daher mein Rat an die Fernsehsender: Leute sucht euch ein Deutsches Wort dafür. Dann finden sich die Fans auch im Internet. Selbst die, denen ihr mittlerweile das letzte Quäntchen Denkfähigkeit aus dem Hirn und direkt in die Fernsehröhre gesaugt habt.

Ist doch gemein, uns erst mit „Film Film“, „TV-Roman der Woche“ und „Mega-Top-Event-Des-Hyper-Fernseh-Jahres“ den Dadaismus in die Sprache zu schmuggeln und dann mit spanischen Fingerknotwörtern wie ‚Telenovela’ aus dem Hinterhalt auf geistig unbewaffnete zu schießen.

Aber irgendwo sitzt bestimmt ein gehässiger Fernsehmacher und lacht sich eins ins Fäustchen.

20.6.06 14:11, kommentieren